PROJEKT Ein Kilometer Rheinufer bei Lampertheim testweise umgestaltet
Um die Menschen vor Hochwasser zu schützen und den Rhein schiffbar zu machen, hat man im 19. Jahrhundert den Strom begradigt und die Ufer befestigt. Auch andere Flüsse wurden aus diesen Gründen in ein Korsett gepresst. Schon vor ein paar Jahren ist aber an einigen Fluss- und Bachufern der Natur wieder mehr Raum gegeben worden. Jetzt haben sich die Behörden in einem Pilotprojekt auch an den Rhein gewagt. In Höhe des Flusskilometers 441 bei Lampertheim sind auf 1000 Metern verschiedene naturnahe Varianten der Ufergestaltung angelegt worden.
Wer sich die Rheinufersicherung nur mit Wasserbausteinen oder Pflastersteinen vorstellen konnte, sollte einen Spaziergang am Rheinufer unternehmen. Man ist erstaunt, wie viele Möglichkeiten der Ufergestaltung es gibt und glaubt bei der Besichtigung, dass sich Landschaftskünstler hier verwirklicht haben. Doch weit gefehlt, alles ist genau durchdacht und geplant. Dreieinhalb Monate hat eine Fachfirma im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Mannheim das Ufer umgestaltet. Die Arbeiten begannen im letzten September und sollten bis März dieses Jahres gehen, doch angesichts des niedrigen Wasserstandes und guten Wetters im Herbst war alles schneller fertig als geplant.
Marc Hannig leitet das Projekt beim WSA Mannheim, beteiligt sind auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde und die Bundesanstalt für Wasserbau. Vor Ort erläutert er unserer Zeitung die verschiedenen Ufergestaltungen und betont: „Die technisch-biologischen Ufersicherungen bieten eine ökologische Alternative zur rein technischen. Sie erhalten und schaffen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Voraussetzung ist allerdings, dass die Standsicherheit dauerhaft gewährleistet werden kann.“
Projekt läuft bis 2016 Daher werden die verschiedenen Varianten genau beobachtet: Sind sie stabil? Schaffen sie Lebensraum für Flora und Fauna? Wie hoch sind die Unterhaltungskosten? Beteiligt an der Uferkontrolle ist auch die WSA-Außenstelle Worms. „Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt, es läuft bis 2016. Dadurch können wir den Unterhaltungsaufwand mit dem der normalen Uferbefestigung vergleichen“, so Hannig. Die Ergebnisse des Projekts bei Lampertheim haben Einfluss auf die künftige Ufergestaltung von anderen Rheinabschnitten und anderen Wasserstraßen. Wann aber wo was getan wird, ist noch völlig offen. Billig dürfte das nicht werden: Für die Herstellung des Projektabschnitts hat der Bund laut Hannig rund 800 000 Euro ausgegeben.
Das erste Versuchsfeld liegt im Süden des Uferabschnitts. Der leicht erhöhte Wasserstand des Rheins verdeckt am Besichtigungstag den vorgelagerten Steinwall, der einen geschützten Uferbereich mit Flachwasserzone schafft - und damit Fischen Lebensraum bietet. In den beiden nächsten Versuchsfeldern sind sogenannte Weidenspreitlagen gepflanzt, einmal diagonal, einmal quer zur Fließrichtung. Hannig deutet auf entstandene Löcher: „Das kam durch das Hochwasser, hier muss im Frühjahr noch einmal Erde drauf, damit die Pflanzen austreiben können.“ Das vierte Versuchsfeld sieht wie an einem Gebirgsfluss aus, mit Kies und großen Steinen.
Im nächsten Versuchsfeld werden Röhrichtgabionen, Steinmatratzen und Pflanzmatten getestet. Einige Meter weiter haben die Arbeiter ein Boden-Alginat-Gemisch zwischen die Steine geschoben und Gräser eingesät. „Das Hochwasser hat einiges schon weggeschwemmt. Das ist wohl keine dauerhafte Sache“, bilanziert Hannig. Nachgearbeitet werden muss in Versuchsfeld sieben, das Hochwasser hat der noch nicht angewachsenen Kultur geschadet. Im Feld acht hat man noch die Sandsteine aus Tullas Uferbefestigung vor 150 Jahren gelassen. Weiden haben sich von selbst dort angesiedelt. „Die müssen aber regelmäßig gestutzt werden, damit sich das Wasser nicht staut und abbrechendes Holz nicht die Schifffahrt beeinträchtigt.“ Bereits vorhandene Röhrichte und wertvolle Gräser werden geschützt durch einen erhöhten Steinwall. Beim letzten Versuchsfeld hat man ein klein wenig die freie Erosion zugelassen. „Das ist unsere Referenzstrecke. Sie zeigt, was passiert, wen man nichts macht“, erklärt Hannig.
Pappeln wurden gefällt
Veränderungen gab es auch auf der Böschung: Einige rund 50 Jahre alte Pappeln wurden gefällt. Laut Hannig hätten sie ohnehin bald zur Fällung angestanden. Zum Teil sind schon Weiden gesetzt worden. Eichen, Ulmen und Wildobstbäume sollen noch folgen. Sie sind wichtig für die Stabilität, denn trotz naturnäherer Ufer soll sich das Strombett nicht verbreitern.
Bislang haben nur Spaziergänger und die Rheinschiffer mitbekommen, was am Lampertheimer Ufer passiert ist. Voraussichtlich im Juni, wenn die Pflanzen grün sind, will das WSA das Projekt der Öffentlichkeit nahebringen und erläuternde Schilder vor Ort aufstellen. Neugierige sollten die Uferböschung nicht betreten, damit sie die noch jungfräuliche Natur nicht zerstören.
29.12.2011Angler brachten Aale aus der Lahn in barrierefreien Rhein
Cölbe/Gießen (pm). Während in diesen Tagen vielerorts Aal auf dem Speiseplan stand, setzten sich Fischereivereine und Regierungspräsidium (RP) Gießen für den Erhalt des immer seltener werdenden Gastes in der mittelhessischen Lahn ein.
Jürgen Schwarz, Vorsitzender des Fischereivereins Marburg, mit einigen der Aale, die abgefischt und nach Lahnstein gebracht wurden. (Foto: pm)
Denn die Wanderfische haben Schwierigkeiten, Wasserkraftwerke und andere Hindernisse zu umgehen, um unbeschadet in ihre Laichgewässer zu gelangen. Experten haben daher ein System entwickelt, mit dem die Aale aus der Lahn »abgefischt« und zum barrierefreien Rhein transportiert werden. Von dort kommend steigen ihre Chancen um ein Vielfaches, unbeschadet ihr Reiseziel zu erreichen, die Sargassosee in der Nähe der Bahamas. »Auslöser für die ungewöhnliche Maßnahme sind die zurückgehenden Aalfangzahlen an der Lahn«, berichtete Walter Fricke vom Gießener Regierungspräsidium. Es sei nur noch ein Bruchteil der Bestände aus den 1990er Jahren vorhanden, in vielen Flussabschnitten seien die nachtaktiven Tiere sogar nur noch vereinzelt nachweisbar. Lösungen für eine ungehinderte Aalwanderung, wie ein ausgeklügeltes Turbinenmanagement oder der Einbau technischer Abstiegsmöglichkeiten, seien zwar in Sicht, bis diese Maßnahmen fruchteten, könnte es für den Aal jedoch zu spät sein.
Die mittelhessischen Angelvereine und Fischereibehörden regten daher ein Fang- und Transportsystem an, das jetzt in die Tat umgesetzt wurde. Helfer der Fischereivereine fischten in den vergangenen Wochen abwandernde Blankaale mit Hilfe von Reusen aus der Lahn (am Cölber Wald, bei Sarnau und am Unterlauf der Wetschaft) – und zwar noch bevor die Tiere Wehre, Wasserkraftanlagen und andere Hindernisse erreichten. In einer eigens gebauten Anlage des Fischereivereins Marburg in Cölbe-Reddehausen wurden 96 Aale vier bis sechs Wochen gehalten, anschließend nach Lahnstein transportiert und dort in den Rhein entlassen.
Wenn alles gut läuft, schwimmen die Tiere jetzt mit der Strömung zunächst in Richtung Nordsee, später zu ihrem Laichgewässer in der Nähe der Bahamas. »Mit dieser Methode soll verhindert werden, dass sich die Lahn-Aale an Turbinen verletzen oder ums Leben kommen«, erläuterte Fricke. »Im Rhein haben es die Strömungsschwimmer leichter, da dieser für sie vollständig frei von Barrieren ist«. Das schnelle und relativ unkomplizierte Transportieren der Fische helfe auch, die EU-Aalverordnung und den Aalbewirtschaftungsplan für den Rhein umzusetzen. Beide forderten, dass mindestens 40 Prozent der abwandernden Aale lebend und unversehrt im Atlantik ankommen sollen.
26.11.2011Investor möchte auf der Hessenau eine Fischzucht einrichten
26.11.2011 - HESSENAUE
Von Detlef Volk
Der Astheimer Unternehmer Eric Nürnberger hat den ehemaligen Bundeswehrstützpunkt auf der Hessenaue gekauft. Auf der Konversionsfläche soll ein Fischzuchtbetrieb entstehen - falls die verschiedenen Behörden mitspielen, wie der Investor vorsichtig erklärt.
In der Gemeindevertretung ist das Projekt auf breite Unterstützung gestoßen. Einstimmig wurde beschlossen, das Vorhaben mit der notwendigen Planung zu unterstützen. Von den Fachbehörden im Groß-Gerauer Landratsamt stehe die beantragte Nutzungsgenehmigung aber noch aus, sagte Nürnberger auf Nachfrage.
Nürnberger ist zuversichtlich, alle Auflagen erfüllen zu können. Mitzureden haben dabei nicht nur die Obere und Untere Naturschutzbehörde, auch der Denkmalschutz ist beteiligt. Ein Teil der Gebäude steht unter Denkmalschutz und kann deshalb nur mit den entsprechenden Auflagen umgebaut oder renoviert werden.
Die Hessenaue soll auf jeden Fall der Standort für die Firma werden. Auch soll von dort der Verkauf der Fische sowie der Ankauf des benötigten Futters organisiert werden, erläutert Nürnberger. In den ehemaligen Armeegebäuden sollen moderne Büros eingerichtet werden.
Außerdem soll auf dem Gelände die Reproduktion von Aquakulturen stattfinden. „Das ist eine Indoor-Fischzucht“, erklärt er weiter. Mit Nachhaltigkeitszertifikaten ausgestattet, sollen Zander bis zu einer Größe von zehn Zentimetern aufgezogen werden. Die Jungfische werden dann weiterverkauft - an Angelvereine zum Aussetzen in den Angelseen oder an Franchise-Unternehmen. Dort werden die Fische dann, ebenfalls in Hallen, weiter bis zur Schlachtgröße gehalten.
Ein Versuch, das Projekt „Fishmaster“ in Hessen zu etablieren, sei am Desinteresse der Landesregierung gescheitert. Deshalb wurde ein Betrieb in Baden-Württemberg gegründet, der eine Jahresproduktion von 100 Tonnen Fisch hat. Klappt das Projekt auf der Hessenaue, soll die Jahresproduktion an den Standorten Buchen und Moosbach auf 400 Tonnen anwachsen.
Bürgermeister Jürgen Arnold (parteilos) verfolgt das Projekt seit knapp zwei Jahren wohlwollend. Zusammen mit Nürnberger wurde im Hessischen Wirtschaftsministerium ein Termin ausgemacht, denn es gibt EU-Fördergelder. Außer Lippenbekenntnissen sei aber nichts erreicht worden, zeigte sich Arnold ziemlich enttäuscht. Der Höhepunkt sei dann gewesen, dass sich der zuständige Staatssekretär am vereinbarten Termin verleugnen ließ und einfach nicht erschien.
Die Gemeinde werde das Projekt aber weiter unterstützen, bekräftigte Arnold.
Vom Prinzip „Fishmaster“ konnte sich bereits die CDU bei einem Ortstermin in Astheim informieren. Dort läuft seit etwa zwei Jahren der Probebetrieb in einer Garage. Nürnberger hofft nun, im kommenden Jahr voll in die Produktion einsteigen zu können.
Wenn alle Genehmigungen vorliegen, will er noch einmal öffentlich über das Projekt informieren.
19.11.2011Ich wollt, ich wär kein AalGefangen, gemästet, ausgesetzt, gejagt oder in Turbinen gehäckselt – wie ein robuster Fisch ausstirbt
Anguilla anguilla gilt als Inbegriff zähen Lebens. Unser Europäischer Aal kann fast senkrechte Wände bewältigen und schockt unerfahrene Angler, wenn er Stunden nach dem Fangen plötzlich im Kühlschrank lärmt. Erschreckend sind aber auch die kargen Kenntnisse über seine Biologie. Obwohl Aale seit Jahrhunderten verspeist werden, zanken sich die Experten darüber, wie sich ihr Bestand wieder erhöhen ließe – wenn überhaupt. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat das Tier als critically endangered, als vom Aussterben bedroht, auf ihre Rote Liste gesetzt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES führt ihn in derselben Schutzkategorie wie Eisbären und Landschildkröten.
Zwar hat die EU zum Schutz dieses schlangenförmigen Knochenfischs zahlreiche Empfehlungen ausgesprochen. Doch Fangverbote oder befristetes Abschalten von Wasserkraftwerken – deren Rechen und Turbinen die oft schubweise abwandernden Aale massenhaft töten – stoßen auf massiven Widerstand. Nach Atom- auch Wasserkraftwerke abschalten, wo kämen wir da hin?
Ohne die Hege von Binnenfischern und Anglern werde der Aal ganz aussterben, warnen Kritiker. Die Fische müssen heute in technisch massiv veränderten Biotopen leben. Und Gewässerschutz hin oder her – Hamburg will die Elbe noch tiefer ausbaggern. Dabei sind bereits die vorhandenen Ausbaggerungen ein Problem. Die große Wassertiefe entschleunigt die natürliche Strömung der Elbe. So entstehen Sammelbecken für organisches Material, denn in gebremstem Wasser sinken Pflanzen- und Tierreste zu Boden und verrotten. Dadurch bilden sich, besonders bei sommerlicher Wassertemperatur, periodisch große Sauerstofflöcher, die Fische gefährden. Trotz insgesamt besserer Wassergüte können technisierte Gewässer zur atemberaubenden Plörre werden.
Hoch technisiert ist auch die Rheinmündung. Die Niederländer verzögern seit Jahren eine weitgehende Öffnung ihres gigantischen Haringvliet-Sperrwerks, das den Großteil des Wassers von Rhein und Maas kontrolliert in die Nordsee leitet. Sie befürchten Hunderte Millionen Euro an Schäden, sollte ihr künstlicher Mündungssee wieder versalzen. Was zählen dagegen die Transportbedürfnisse der jungen Glasaale, die sich gern von der Flut stromaufwärts ins Landesinnere tragen lassen?
Nicht nur die EU fordert mehr Schutz für Aale. Experten wie Christian Wolter vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei kritisieren das Management des Aalbestands. Es sei »mit erheblichen Unsicherheiten behaftet und dem Risiko zu scheitern«.
Zentrale Aspekte der Aalbiologie liegen noch im Dunkeln, neuere Erkenntnisse stellen die bisherige Rettungsstrategie infrage. »Wir kennen weder die Hauptursachen für den Aalrückgang noch den Verlauf seiner Reproduktion in der Sargassosee«, sagt Wolter. Unklar sei auch, welche Bedeutung das Leben der Aale im Süßwasser der Flüsse für den Bestand der Art habe.
Nach üblichem Credo wachsen die Aale über Jahre hinweg in unseren Binnengewässern auf und setzen dabei viel Fett an. Als reife »Silberaale« hören sie auf zu fressen und lassen sich von Bächen und Flüssen zum Meer treiben. Dort streben die Superschwimmer 7.000 Kilometer weit in die Sargassosee, unweit der Karibik. Ihre einzige Energiequelle ist die Fettreserve, auch für die Fortpflanzung. Die findet im Dunkel der Sargassosee in einer mysteriösen Sexorgie statt. Weder der Laichvorgang noch Eier wurden je beobachtet. Das Produkt sind Larven. Sie landen später via Golfstrom als durchsichtige Glasaale vor Westeuropas Küsten. "Würden Sie Eisbären essen?" Hier beginnt ein zentraler Akt des Aaldramas: Glasaale werden tonnenweise gefangen, als Delikatesse und als Nachwuchs für Aquafarmen. Dort werden sie gepäppelt (»vorgestreckt«) und als Besatzfische für Binnengewässer verkauft – oder zur Schlachtreife gemästet. Noch in den 1970er Jahren verspeisten Gourmets jährlich mehrere Milliarden Glasaale. Doch der scheinbar unerschöpfliche Nachwuchs schrumpfte bis auf wenige Prozent, die einstige Billigware wurde zur Kostbarkeit.
Zum Schutz des Aals sollten daraufhin die alten Hauptabnehmer, Restaurants und asiatische Aquafarmen, nicht mehr beliefert werden und der Glasaalfang vorrangig dem Besatz europäischer Binnengewässer dienen. Doch ist dieses Aalmanagement – die Tiere werden etwa in Frankreich blutjung gefangen, in Holland vorgestreckt, in heimischen Gewässern eingesetzt und schließlich abgefischt – noch sinnvoll?
Christian Wolter und Kollegen haben im Bulletin of Fish Biology gravierende Bedenken aufgeführt. So ist die Aalsterblichkeit in Binnengewässern hoch, als Folge von Fischerei und Wasserkraftnutzung. Je nach Turbinentyp beträgt die Mortalitätsrate 20 bis 40 Prozent pro Kraftwerk. Da Silberaale in vielen Flüssen bei ihrem Abstieg im Hauptstrom ganze Serien von Kraftwerken passieren müssen, führt dies zu einem dramatischen Gemetzel – bis hin zum Totalverlust.
Zudem sind viele Süßwasseraale von Viren und Schwimmblasenwürmern befallen. Die Parasiten, durch Aquafarming verbreitet, schwächen ihre Wirte. So starben infizierte Aale in Schwimmtests nach einer Distanz, die kaum der halben Strecke zur Sargassosee entspricht. Schließlich dürfte der unnatürliche Weg, über den Besatzaale in Binnengewässer gelangen, zu Fehlprägungen des Fressverhaltens und des Geruchs- und Orientierungssinns führen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass solche Aale zu wenig Fett ansetzen und den ihnen unbekannten Rückweg in die Sargassosee nicht finden.
Besatzaale tragen also kaum zur Erhaltung ihrer Art bei. Die marine Population dagegen, die das Meerwasser nie verlässt, kennt weniger Probleme. Sie könnte im Prinzip den Hauptbeitrag zur Gesamtvermehrung liefern. Doch Wolter warnt: »Die verbreitete Praxis, mit gefangenen Glasaalen die Süßwasserbestände aufzustocken, könnte das Gesamtproblem verschärfen, wenn dabei die Aale im marinen Lebensraum weiter dezimiert werden.
Sollte man, neben dem Bau von Fischpässen und dem Sanieren der Gewässer, nicht auch den Aalfang einstellen, wie die EU fordert? Noch sind die Fachleute uneins. Christian Wolter lehnt es ab. Er befürchtet, die Fische würden ihre wichtigste Lobby verlieren, die sich für ihre Hege einsetzt. Und rasch zielführend wäre eine solche Maßnahme nicht: »Selbst bei einem totalen Aalfangverbot dürfte es mindestens 80 Jahre dauern, bis sich die Bestände wieder voll erholt haben, sagt er.
Sein Kollege Reinhold Hanel, Leiter des von-Thünen-Instituts für Fischereiökologie in Hamburg, beruft sich hingegen auf den Internationalen Rat für Meeresforschung und fordert, möglichst jeden negativen Einfluss auf den Bestand der hoch gefährdeten Art zu vermeiden: »Man macht auch in Indien nicht die Tigerjagd zur Grundlage der Bestandspflege«, sagt er und hinterfragt den Aalkonsum mit einem Vergleich: Würden Sie Eisbären essen?
12.11.2011Neue Fische braucht der Main Nicht alle Wasserbewohner im Main sind „Eingeborene“. Regelmäßig wird der Bestand aufgestockt
Das Leben eines Großstadtfischs ist reich an tückischen Gefahren. Damit die Population heimischer Fischarten trotzdem erhalten bleibt, werden jährlich tausende Jungfische im Main ausgesetzt.
Oberrad.Um zehn Uhr morgens ist es im Oberräder Ruderdorf so kalt und neblig, dass die sonst am Horizont glitzernden Bankentürme kaum zu erkennen sind. Doch die acht Männer, die mit ihren zwei Booten am Landungssteg stehen, sind nicht gekommen, um die Aussicht zu genießen. Sie warten auf das Eintreffen eines Transporters, der rund 1,5 Tonnen lebende Zuchtfische aus dem Westerwald vorbeibringt, um die Tiere zwecks Bestandsauffrischung im Main auszuwildern.
Als der Transporter um 10.15 Uhr eintrifft, geht es ganz schnell: Die Helfer schnappen sich ihre Plastik-Bottiche und warten, bis der Mann mit dem Kescher die bereitstehenden Eimer mit genügend Jungtieren befüllt hat. Nachdem die wild zappelnden Fische alle Umstehenden nass gespritzt haben, starten die Fischer die Außenbord-Motoren ihrer Boote und fahren zur gegenüberliegenden Uferseite. Erst dort werden die Fische in ihre neue Heimat entlassen.
8000 Euro kostet die umfangreiche Lieferung: Zu diesem Preis erhält der Main eine aus 4500 Karpfen, 2000 Hechten, 1000 Schleien und 500 Kilo Weißfischen wie Brassen, Rotaugen und Rotfedern bestehende Verjüngungskur. "Vor sechs Wochen haben wir den Main mit Aalen bestückt. Beide Lieferungen zusammen kosten bestimmt 15 000 Euro", sagt Wolfgang Burck (61), der Vorsitzende der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft. Die Fischerzunft zahlt den stattlichen Betrag aus eigener Tasche. Im Gegenzug wird der Verein für seine Arbeit vom Regierungspräsidium Darmstadt und dem Land Hessen bezuschusst. Hobby-Angler spülen durch den Erwerb von Anglerlizenzen zusätzliches Geld in die Zunft-Kasse.
Zunft ist 1066 Jahre alt
Die rund 50 Mitglieder der im Jahr 945 gegründeten Zunft kümmern sich nicht nur um den Erhalt des Fisch-Bestands. Sie haben sich zudem das Ziel gesetzt, die Tradition der Berufsfischerei für künftige Generationen zu erhalten. Zwar gibt es seit dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt keine Berufsfischer mehr. Doch Menschen wie Wolfgang Burck oder Cornelia Klein stammen aus Familien, die seit Generationen von der Fischerei lebten. Burck ist auf dem Wohnschiff "Frankenfurt" aufgewachsen und kennt den bis zu vier Meter tiefen Main wie kaum ein zweiter. "Auch wenn die Wasserqualität noch nicht optimal ist, leben inzwischen wieder 15 bis 18 einheimische Arten, unter ihnen auch Speisefische wie der Zander, im Main. Das ist viel besser als in den 70ern", sagt Wolfgang Burck.
Fischbesatz ist notwendig
Auch Hans-Georg Dannert vom städtischen Umweltamt ist an diesem Morgen vorbeigekommen, um sich die bevorstehende Besatz-Maßnahme aus nächster Nähe anzusehen. "Die Stadt hat diesen Teil des Mains bis 2026 an die Fischerzunft verpachtet", sagt Dannert, für den das Fachwissen der Zunftmitglieder eine wichtige Informationsquelle bei der Bewertung des Gewässerqualität ist. "2009 hatten wir ziemliche Probleme mit der Donaugrundel", so Dannert, der erklärt, dass der aus der Donau stammende Fisch durch den Rhein-Main-Donau-Kanal in großer Zahl in hessische Gewässer eindrang und den einheimischen Fischarten mächtig zusetzte. Da die Population der Donaugrundel mittlerweile auf ein erträgliches Maß zurückgegangen sei, habe sich das Problem inzwischen von selbst behoben.
Doch auch so gibt es im Main allerhand menschengemachter Gefahren: Angler, Staustufen, Schiffsschrauben und das Kohlekraftwerk in Großkrotzenburg dezimieren den Fischbestand derart, dass eine regelmäßige Auffrischung unerlässlich ist: "Allein schon, um den Sportfischern gerecht zu werden", sagt Wolfgang Burck.mov
30.10.2011 MAIN-SPESSARTKormoran frisst den Main leer
Fischereiverband Unterfranken fordert europäische Lösung: Vögel auf erträgliche Menge reduzieren Auf die Frage, wer am effektivsten am Main fischt, der Sportangler oder der Kormoran, geht die Antwort eindeutig zum Vogel. Der fischt in seiner Fressgier nach Meinung von Dr. Peter Wondrak bald Flüsse, Bäche und Teiche leer, wenn nicht eingegriffen wird. Die Ansicht der Angler, im Main schwämmen kaum noch Fische, teilt der Präsident des Fischereiverbandes Unterfranken mit Sitz in Würzburg: „Wir setzen auf den 330 Kilometern Fluss jedes Jahr für eine Million Euro Fische ein. Und trotzdem haben wir kaum noch Fische im Main.“ Das bereite ihm schlaflose Nächte.
Der Kormoran ist der „Feind“ von Sportanglern und Fischereirechtlern. Von den Brutstätten im Norden Europas gelangt der geschützte Vogel auch nach Deutschland, macht sich in Kolonien breit an Flüssen, Bächen, in Seen und an Zuchtteichen und frisst die Fische heraus. „Es ächzt ganz Deutschland.“
Hinein mit den Fischen: Fischereiberechtigte am Main wie Erwin Ziegler aus Karlstadt (links) setzen viele Tonnen junge und fangreife Fische ein. Sie erfüllen ihren Hegeauftrag und sorgen so für Nachschub für Sportangler und fressgierige Kormorane. Foto: Fischereiverband Unterfranken
Willi Wingenfeld Fischereiverbandsbeauftragter
Die Nester der Kormorane, die im Herbst, Winter in Deutschland dort in Kolonien leben, wo ihr Futter schwimmt, stehen in Norwegen, Schweden und Holland. Wondrak versteht, dass die Menschen dort die Nester nicht zerstören, nur weil die erwachsenen Vögel in Mitteleuropa die Flüsse leerfressen. „Wir schießen ja auch nicht die Stare ab, weil sie in Italien die Kirschen fressen.“
Er wird deutlich: „Die reinen, selbst ernannten Vogelschützer haben kein Verständnis. Für die sind Fische Vogelfutter. Nach dem Motto: Solange es Fischstäbchen gibt, brauchen wir keine Fische draußen.“
Der Kormoran darf bejagt werden. Wondrak: „Doch wir haben unzählige Naturschutzgebiete und Siedlungen entlang des Mains. Kein Jäger traut sich, auf einen Kormoran zu schießen, denn überall wachen die Ornithologen. Er schießt nur, wenn ein Fischer darum bittet und bettelt.“ Auch Willi Wingenfeld, Fischereiverbandsbeauftragter für Main- Spessart und Fischereiaufseher aus Karlstadt, macht diese Erfahrung: „Ich habe drei Schießberechtigungsscheine zu vergeben, aber kein Jäger will den Fressräuber schießen, denn der Jäger hat nichts vom Kormoran. Er muss den toten Vogel auch noch entsorgen“.
Auf Nachfrage bestätigt Werner Ühlein, Jagd- und Fischereisachbearbeiter im Landratsamt, dass der Kormoran durchaus geschossen werden darf: im Umkreis von 200 Metern zum Gewässer vom 16. August bis 1. März (Artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung) und in Unterfranken laut Regierungsverordnung auch Jungvögel vom 15. März bis 15. August.
Wie man sich im Freistaat gegen die übermächtigen Vögel wehrt, zeigt ein Beispiel aus Oberbayern, wo laut Peter Wondrak ein Falkner davon lebe, mit seinen auf Kormorane dressierten Greifvögeln an Forellenteichwirtschaften die Fressräuber zu vertreiben, erzählt Wondrak.
Auch die im Herbst Richtung Meer wandernden Aale leben gefährlich. Ihr Feind sind die Kraftwerksturbinen an Schleusen. „30 bis 40 Prozent verletzen sich pro Kraftwerksturbine“, berichtet der Fischereiverbandspräsident. „Vor allem in den Turbulenzen unter Wasser mit den gusseisernen Schaufelrädern werden die meisten inneren Verletzungen verursacht. In Alaska mit den großen Lachswanderungen gibt es schon einen neuen Typ Turbine, der diese Turbulenzen nicht verursacht.“
In Unterfranken weiß man sich zu helfen: „Wir transportieren in Harrbach aus dem Main gesammelte Aale – sechs Tonnen waren es 2010 – in den Rhein“, berichtet Wondrak: „Der Aal genießt den höchsten Schutz, weil er unmittelbar vor dem Aussterben steht. Er darf nur geangelt werden, weil wir den Aal in den Rhein transportieren.“ Kormorane, Fischereirechtler und Koppelstrecke
Die Kormorane (Phalacrocorax) sind mittelgroße bis große Wasservögel, die in Kolonien brüten und mit bis zu 43 Arten weltweit verbreitet sind. Im Wasser bewegen sie sich gewandt, wobei die kräftigen Füße als Antrieb genutzt werden. Die Flügel sind meist dicht am Körper angelegt, der Schwanz dient als Ruder. Zur Jagd tauchen Kormorane von der Oberfläche geradlinig nach unten oder mit einem kleinen Kopfsprung vorwärts. Die Beute wird verfolgt, mit dem Schnabel erbeutet und an die Oberfläche gebracht. Kormorane jagen Fische auch im Rudel. Um überleben zu können, muss ein Kormoran am Tag fünf Kilogramm Fisch fressen. Kormorane genießen EU-Schutz.
Fischereirechtler haben ein meist vererbtes Recht, einen Teil des Mains – in einer sogenannten Koppelstrecke – zu nutzen. Unter ihnen sind auch die Berufsfischer. Bei einem Verkauf haben die Fischereirechtler die erste Kaufoption, dann erst darf es auf dem freien Markt angeboten werden. Auf der Koppelstrecke 5 (vom Main von Veitshöchheim bis zur Staustufe Harrbach) sind 15 ausübende, notariell verbriefte Rechtler bekannt. Sie dürfen im Gegensatz zum Sportangler vom Boot aus angeln und Reusen legen. Rechtler dürfen zu jeder Tageszeit angeln und Schonzeiten für Fische verlängern. Die Mindestschonzeiten für Raubfische sind allerdings gesetzlich vorgeschrieben. Archivfoto Hussong/ Quelle Internet/Wikipedia
23.10.2011Neue Fischart tritt massenhaft in der Mosel auf !
Ort: Bernkastel-Kues Der Schwarzmeergrundel, eine Fischart, die ursprünglich in den Donaugewässern heimisch ist, macht sich in der Mosel breit. Angler und Berufsfischer sehen das mit großer Sorge. Der Fisch, wegen seiner geringen Größe von zehn bis 20 Zentimetern kaum zum Verzehr geeignet, ist in diesem Jahr massenhaft aufgetreten.
Nach Auskunft von Lothar Jörgensen, Fischerei-Referent bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz, ist der Schwarzmeergrundel ursprünglich im Donau-Gewässerraum beheimatet. Er sei über den Rhein-Main-Donau-Kanal zunächst in den Rhein und schließlich in die Mosel eingewandert. Die ökologischen Auswirkungen könnten jetzt noch nicht bewertet werden. Es bestehe aber eine direkte Nahrungskonkurrenz zu den heimischen Grundfischarten. Außerdem fresse er Laich und Jungfische heimischer Grundfischarten.
Es werde sicher einige Zeit dauern, bis vorhandene Raubfischarten den Zugewanderten als Beute nutzen und sich dann wieder ein ökologisches Gleichgewicht einstelle. Jörgensen stellt aber auch klar: Einmal zugewanderte Arten könnten aus einem Wasser-Ökosystem nicht wieder entfernt werden. Maßnahmen gegen die neue Art beschränkten sich allein auf die Fischerei.
14.10.2011Neue Fische für den RheinFischervereine setzen etwa 5000 Schleien aus.
SCHWÖRSTADT (bry). Neue Fische braucht der Rhein. Unter dieses Motto könnte man die Aktion stellen, die in Schwörstadt am vergangenen Montag stattfand: Etwa 5 000 Schleien, Fisch des Jahres 2007, wurden im Rhein ausgesetzt. Und die Angelfischer hoffen, dass die Jungfische – trotz Kormoran und Wels – auch überleben und sich vermehren werden.
Jedes Jahr veranstalten die Fischervereine aus Schwörstadt, Bad Säckingen, Wehr und Herten eine solche Besatzaktion, dies gehört zu ihrer Verantwortung für Hege und Pflege der Gewässer. "Früher haben wir in der Hauptsache Rotaugen ausgesetzt", berichtet Bernd Fischer vom Fischerverein Schwörstadt. Nach fünf Jahren hat sich der Erfolg eingestellt, und es werden wieder vermehrt Rotaugen im Rhein angetroffen.
Mit der aktuellen Besatzaktion wollen die Angelfischer sich für einen größeren Bestand an Schleien im Rhein einsetzen. Etwa 5 000 Jungfische wurden mit vereinten Kräften in den Fluss geschüttet.
Die Kosten für die Aktion bestreiten die Fischervereine aus den Mitgliedsbeiträgen sowie aus den Ausgleichsgeldern des Kraftwerks. Die Besatzplanungen werden jährlich erstellt und mit der Fischereiverwaltung in Bad Säckingen abgestimmt.
"Die Koordination mit unseren benachbarten Fischervereinen, der Fischereiverwaltung und dem Regierungspräsidium in Freiburg ist zwar recht aufwendig", erklärt Schriftführerin Christine Moßbrugger, "aber für uns wichtig, dass wir so einen wirklich positiven Beitrag zur Pflege unserer Gewässer und der Fischbestände leisten können."
12.10.2011Fischwilderei am Rhein bei Biebesheim
Gernsheim (ots) In der vergangenen Woche kam es an der Sandbank in Biebesheim zu mehreren Fischwildereien durch illegal ausgelegte Fangleinen. Aufgrund des geringen Wasserstandes konnten die Täter die Sandbank am Biebesheimer Rheinufer betreten und legten ca. 30 Fangleinen an der Wasserlinie aus. Das Ausbringen solcher Fangleinen, die mit mehreren Haken bestückt sind, stellt eine Fischwilderei und Tierquälerei dar.
Durch das umsichtige Handeln eines Zeugen, konnten in der Nacht vom Donnerstag, den 06.10.2011, zwei Täter von der Wasserschutzpolizei festgenommen und Strafverfahren eingeleitet werden.
Zeugen, die sachdienliche Hinweise in der Zeit vom Mittwoch, den 05.10.2011 und Donnerstag, den 06.10.2011 gemacht haben, werden dringend gebeten sich bei der Wasserschutzpolizei in Gernsheim unter Tel.: 06258-93400 zu melden.
20.09.2011Beste Bedingungen für FischeVon Anke Mosch
Natur:
Im Altrhein machen sich vermehrt Wasserpflanzen breit – Unmotorisierte Wassersportler kommen noch gut voran
ERFELDEN.
Begeistert von der Wasserpflanzenvielfalt im Erfelder Altrhein ist Gewässerökologe Egbert Korte. Immerhin hat er dort ein Laichkraut wiederentdeckt, das seit 70 Jahren in Hessen als ausgestorben galt. Foto: Robert Heiler
Von der Fußgängerbrücke wirkt das Phänomen besonders eindrucksvoll: Dichte Pflanzengürtel ziehen sich im Wasser den Altrhein entlang. Kanuten bleiben beim Anlegen am Steg fast mit dem Paddel im Grünzeug stecken, der sonntägliche Schiffsverkehr nach Erfelden ist gar aus Angst um die Schiffsschraube der „Majömi“ eingestellt worden. „Ich bin hier aufgewachsen und sehe den Altrhein zum ersten Mal so zugewachsen“, sagt Joachim Walter vom Kanuclub Darmstadt. „Ich finde es schön, vor allem weil das Wasser so klar ist. Für uns Kanuten ist es beschwerlicher als sonst, aber wir kommen ja durch. Da haben es die Motorsportler schwerer.“ Richtig begeistert ist Wasserökologe Egbert Korte. „Aus biologischer Sicht ist das eine schöne Entwicklung“, schwärmt er. Mit einem Griff ins Wasser befördert er die unterschiedlichsten Wasserpflanzen auf den Steg: mehrere Laichkräuter und Wasserpest mit ihren kleinen, rauen Blättern. Es bedarf nur einer kurzen Suche, dann hält er auch das Grasartige Laichkraut in Händen. „Das war 70 Jahre in Hessen verschollen und jetzt wächst es wieder im Erfelder/Stockstädter Altrhein.“ Ein Blick ins Wasser erklärt die Begeisterung des promovierten Biologen: Immer wieder blitzen die Schuppen von Fischen auf, die inmitten des Unterwasser-Urwalds rumflitzen. Nicht zuletzt die Wasserpflanzen sorgen für die klare Sicht, weil sie Nährstoffe im Wasser binden. Außerdem bieten sie Deckung für Fische, die dort sicher laichen können. Brut und Jungfische sind im Dickicht der Wasserpflanzen perfekt geschützt vor Räubern. „Diese Entwicklung ist für alle Organismen gut, auch für Wasserinsekten wie die Libellen“, erklärt Korte. „Wasser ist ein dreidimensionaler Lebensraum, in dem durch die Wasserpflanzen viel mehr Nischen entstanden sind, in die sich Organismen einstrukturieren können.“ Die meisten Wasserpflanzen wurzeln am Boden. Zu sehen sind aber auch kleine, hellgrüne Blättchen, die direkt auf der Wasseroberfläche treiben – Wasserlinsen oder Entengrütze, die eifrig von den Schwimmvögeln schnabuliert werden. Dann zieht Korte eine Pflanze mit sehr langen schmalen Blättern aus dem Wasser. „Das ist ein Igelkolben. Der steht normalerweise am Ufer und gehört in die Röhrichtzone. Er kann aber auch im tieferen Wasser wachsen, dann bildet er einfach sehr lange Blätter aus“, erklärt er.
Auch einige Algen gibt es, aber die entwickeln sich besser bei Hochwasser, wenn die Wasserpflanzen aufgrund der hohen Trübung des Wassers nicht so gute Wachstumsbedingungen haben. Korte zieht zwar eine Armleuchteralge aus dem Altrhein. „Aber die heißt nur so wegen der Form ihrer Quirläste und steht eigentlich für eine sich verbessernde Wasserqualität“, erklärt der Biologe. Etwas, was für andere Algen nicht gilt. Die positive Entwicklung der Wasserpflanzen im Altrhein beobachtet Egbert Korte bereits seit einigen Jahren. So hat er das Grasartige Laichkraut bereits 2009 im Altrhein entdeckt, als er für die Botanische Vereinigung für Naturschutz in Hessen (BVNH) die Wasserpflanzenbesiedlung der wichtigsten Nebengewässer von Rhein und Main untersuchte. Jahrzehntelang war der Altrhein kaum bewachsen, nun gibt es allein sechs bis sieben Laichkräuter. Warum, weiß niemand genau. Die Wasserqualität jedenfalls ist laut Korte „ja schon länger gut“. Warum der Bewuchs in diesem Jahr so auffällig ist, ist dagegen eindeutig: Das liegt an dem langen Niedrigwasser im Frühjahr und den fehlenden Hochwassern. So konnte Licht bis an den Boden vordringen – perfekte Bedingungen fürs Wasserpflanzenwachstum. Das viele Grün sorgt wiederum für einen guten Fischbestand. So hat sich der Steinbeißer, der von 1975 bis 2001 aus dem Rhein verschwunden war, laut Korte „prächtig entwickelt“. „Jetzt können sich vielleicht auch Arten wie die Schleie wieder ausbreiten.“
09.09.201170.000 junge Aale kommen per Lastwagen
Am Mittwochabend ist in Ettenheim der Lastzug aus Bremen angekommen. Die Ladung: 70.000 junge Aale. Sie sollen für Leben in baden-württembergischen Gewässern sorgen.
In den Becken der Fischzucht Riegger in Ettenheim haben sich die Tiere über Nacht erholen können. am Donnerstagmorgen ist die Reise weitergegangen an die Bestimmungsorte, den Bodensee, den Rhein und die Gewässer der Angelvereine in Südbaden. In zwölf bis 15 Jahren sollen ihre Nachkommen aus den Laichgewässern in der Sargassosee zurückkehren und dazu beitragen, dass sich der Aalbestand in den hiesigen auf Dauer stabilisiert. "Die Wanderfische sind unsere Sorgenkinder", erzählt Georg Riegger. Lachs und Aal also. "Die Aalbestände sind massiv zurückgegangen. Das Glasaalaufkommen in den zurückliegenden 20 Jahren um 80 Prozent", sagt der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Baden und berichtet von den Wanderungen der Aale. Die ausgewachsenen wandern 6000 Kilometer zu ihren Laichplätzen in die Sargassosee, östlich von Florida und südlich der Bermudas gelegen und so groß wie Mitteleuropa. Dort laichen sie ab und sterben dann. Die Nachkommen machen sich mit dem Golfstrom auf und brauchen für ihre Wanderung nach Europa drei bis vier Jahre. Etwa acht Zentimeter lang sind sie, wenn sie ankommen, und durchsichtig. Daher der Name Glasaal.Wenn sie dann vor den Mündungen der großen Flüsse angekommen sind, haben sich große Probleme gehabt, die Flüsse hinaufzuwandern, dorthin wo ihre Eltern gelebt haben. Ein ganzes Bündel Ursachen nennt Riegger: Sperrwerke, Turbinen, ein wohl aus Asien eingeschleppter Parasit. Und schließlich Asiaten, für die Glasaale ein Potenzmittel war. Sie haben für Tiere, die vor den großen Flussmündungen abgefischt worden sind, weil sie die Flüsse nicht hinaufkommen, horrende Preise bezahlt. Die Fischereiverbände, die die Glasaale ebenfalls aufkauften, um sie in die Flüsse einzusetzen, konnten da nicht mithalten. Dreijähriges Fangverbot für Aale
Der Rückgang war so groß, dass die Aale auf die Rote Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens gesetzt, in Europa ein dreijähriges Fangverbot für Aale erlassen worden ist. "Die Fischereiverbände haben schon seit langem junge Aale eingesetzt, um den Bestand wieder aufzupäppeln", erzählt Riegger. Während des wollen sie ihre Bemühungen noch intensivieren und jedes Jahr für 50 000 Euro Aale einsetzen. Keine Glasaale mehr. Die werden in einer Fischzucht bei Bremen großgezogen.
Die 700 Kilogramm oder 70 000 junge Aale die nun am Mittwochabend in Ettenheim angekommen sind, sind fünf Jahre alt. 250 Kilogramm sind am frühen Donnerstagmorgen Richtung Bodensee transportiert worden. "Die schwimmen jetzt bereits im See", sagte Riegger gestern um die Mittagszeit. Etwa die Hälfte der 70 000 Fische ist gestern in Gewässer in der Region eingesetzt worden. Der Großteil im Rhein. Bei Wittenweier, bei Ichenheim und bei Honau sind sie gestern Vormittag ist Wasser eingesetzt worden.
Den ganzen Tag über kamen Mitglieder von Angelvereinen nach Ettenheim, um junge Aale zu holen, die dann in die Vereinsgewässer eingesetzt werden. "Um die 17 000 organisierte Angler gibt es im Landesfischereiverband, und die wollen wir einbinden", erzählt Riegger.
Aus den Laichgebieten nach 15 Jahren wieder zurück
Sechs bis acht Jahre werden die Aale nun in den Flüssen bleiben. Dann machen sie sich auf den Weg ihre Laichgebiete im Südatlantik. "Im September und bei Neumond", erzählt Riegger und fordert damit den Widerspruch seiner Frau Kirsten heraus: "Esoterisches Geschwätz". Jedenfalls haben die Tiere nun noch ein Gefahrenquelle zu überwinden. "Sie schwimmen dort, wo das meiste Wasser fließt, und das ist in Richtung Turbinen. Der Weg flussabwärts ist der schwierigere." Sein Wunsch ist, dass möglichst viele die Laichplätze erreichen und die jungen zurückfinden, damit die dann um die 15 Jahre später den Weg in den Südatlantik antreten können. Und natürlich dass die Fischer in einigen Jahren auch wieder Aale aus den heimischen Flüssen angeln können.
08.09.2011Osteuropäische Fische entdecken und erobern Rhein als Lebensraum
Was hat es mit den Schwarzmundgrundeln auf sich?
Man steht am Rhein, schaut ins Wasser und es wimmelt vielfach nur so von Fischen. Aber was ist hier los? Können diese Fische etwa nicht schwimmen oder warum rutschen sie ständig am Boden umher? Die Schwarzmundgrundeln, um die es hier geht, sind tatsächlich keine guten Schwimmer. Sie haben nicht einmal – im Gegensatz zu den meisten anderen Fischen – eine Schwimmblase. Ihre Brustflossen nutzen sie, um sich auf dem Untergrund abzustützen. Die Bauchflossen sind zu einer Saugscheibe umgebildet, die einen optimalen Halt auf steinigem Untergrund garantiert.
Mittlerweile gibt es insgesamt fünf unterschiedliche Arten von Grundeln im Rhein, alle stammen aus dem Gebiet des Schwarzen Meeres, die meisten von ihnen sind vermutlich über den Main-Donau-Kanal im Rhein eingewandert. Gerade bei der Schwarzmundgrundel ist der genaue Einwanderungsweg aber noch nicht abschließend geklärt. Im Jahr 2004 wurden erstmals Tiere in der deutschen Donau bei Straubing nachgewiesen, außerdem im niederländischen Rheindelta. Ob die Mainzer Tiere nun vom Süden über den Main-Donau-Kanal, oder aber rheinaufwärts von Holland aus zu uns gelangt sind, wird man wohl abschließend nicht mehr klären können. Ein charakteristisches Merkmal, dass die Schwarzmundgrundel von den anderen Einwanderern unterscheidet, ist der schwarze Augenfleck auf der ersten Rückflosse – diesen sieht man aber meist nur bei Erregung, im Ruhezustand ist die Flosse am Rücken angelegt und der Fleck nicht zu sehen.
Seit etwa 2009 ist die Art nun auch im Raum Mainz angekommen und hat sich hier massiv vermehrt: bis zu drei Grundeln halten sich inzwischen pro Quadratmeter im Rhein auf. Bei Bestandserhebungen im Raum Köln stellten die Grundeln fast 80 Prozent aller erfassten Fische! Insbesondere in Flachwasserbereichen von Bootsrampen kann man das üppige Treiben der bis zu 25 cm langen Tiere beobachten. Schnell und zielstrebig stürzen sie sich auf alles, was potentiell fressbar ist – deshalb sind sie bei Anglern auch nicht gerade beliebt: Das Angeln von Speisefischen wird zunehmend schwieriger, weil die Schwarzmundgrundeln – unabhängig davon ob Mais oder Fliegenmaden als Köder genutzt werden – gerne beißen, für den Verzehr aber weitgehend unbrauchbar sind. Außerdem stehen sie in dem Verdacht, sich von Fischlaich zu ernähren und damit die Bestände der einheimischen Fischarten zu reduzieren.
Wieso fühlen sich die Tiere aber bei uns so wohl? Ein Grund könnten die Massenvorkommen der ebenfalls in den Rhein eingeschleppten Körbchenmuschel sein. Mit ihren kräftigen Schlundzähnen ist die Schwarzmundgrundel wie keine andere Art in der Lage, die Tiere zu knacken und sich den Bauch vollzuschlagen. Die Fähigkeit, mehrmals im Jahr zu laichen, erklärt zudem die gigantischen Bestandszuwächse. In einem Punkt sind die Schwarzmundgrundeln den Menschen dann aber doch sehr ähnlich – und das macht sie vielleicht auch so sympathisch. Die Männchen nehmen während der Laichzeit in der Regel eine schwarze Färbung an, locken die Weibchen durch Rufe ans Nest und bewachen den Laich. Ausnahme: Die sogenannten Kuckucks-Männchen der Schwarzmundgrundeln – sie bleiben farblich unverändert und versuchen, den Laich in fremden Nestern zu befruchten.
Um ein realistisches Verbreitungsbild der neu eingewanderten Grundel-Arten zeichnen zu können, bittet das Naturhistorische Museum insbesondere Angler um Mitteilung von Funden. Fotos können direkt an Dr. Lavinia Schardt (email: dr.lavinia.schardt@stadt.mainz.de) gesandt werden. Interessierte Bürger können lebende Tiere der Schwarzmundgrundel auch in einem extra eingerichteten Aquarium im Museum beobachten.
Und zum Abschluss noch ein schwacher Trost für alle Angler: Die Populationsökologie geht davon aus, dass sich neu eingewanderte Arten nach einer ersten Phase der Massenvermehrung auf einem deutlich niedrigeren Niveau etablieren. Bleibt uns also wie so oft nur eins: Abwarten und Tee trinken.
07.09.2011218 cm- Fang: Fischer fangen Wels und lassen ihn wieder frei
Hard, Fussach - Ein Vorarlberger Fischer hat vor der Rhein- Mündung einen Wels mit einer Länge von 218 Zentimeter gefangen. Doch statt ihn zu töten, wurde der Fisch wieder zurück ins Wasser gelassen.
Der Wels verlangt dem passionierten Hobby- Fischer Julius alle Kraft ab. „Hosch no Schmalz“, fragt ihn sein filmender Kollege, während er unter den Augen von anderen Fischern den Wels in Richtung Boot zieht. Vorsichtig wird der Wels nach einem Schlag auf den Kopf (um ihn zu betäuben) an Bord des Schiffes gezogen. Auch die anderen Fischer registrieren den großen Fang und gratulieren den beiden. Fischer machen Erinnerungsfotos Auf dem Boot vermessen sie den Riesenwels: Stolze 2,18 Meter misst der Fisch. Nach dem gefangenen 2,40 Meter Wels vor wenigen Wochen zeigt dieses Video den zweiten „Mega- Fang" im Bodensee. Doch im Unterschied zu den Lochauer Fischern entlassen die beiden nach ein paar Erinnerungs- Fotos den Wels wieder in Freiheit. Dieses schöne Beispiel zeigt, wie der Kampf zwischen einem Angler und einem Fisch für beide positiv enden kann.